Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier (A.R.T.)




28.05.2020

Vom Versetzen von Bergen

Nachhaltigkeit und Naturschutz sind Themen, die gerade in schwierigen Zeiten eher ein Stück weit in den Hintergrund rücken. Der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier (A.R.T.) lebt, nicht nur während Corona, eine nachhaltige Philosophie in einem wichtigen Bereich unseres täglichen Lebens. Denn bereits seit rund 50 Jahren stellt sich der A.R.T die Frage, wohin mit dem Müll und was machen wir damit?  

Verantwortungsbewusster Umgang mit dem Deponien-Erbe

Geschlossene Deponien in der Region Trier, dem Zuständigkeitsgebiet des A.R.T., und deren Nachsorge sind ein Teil des großen Aufgabenspektrums des Zweckverbands. Hierbei gilt es, die hohen Auflagen des Bundes, des Landes und der EU, sowie deren Vollzugsbehörden in den Punkten Umweltschutz und Nachhaltigkeit umzusetzen. Ziel dieser Gesetze, Verordnungen und Richtlinien ist es, auf unbestimmte Zeit sicherzustellen, dass eine negative Beeinträchtigung der Umwelt durch Deponien und den darin befindlichen Abfall ausgeschlossen werden können.

Eine dieser Deponien liegt in Saarburg. Auf dem Gelände wurde bis 1995 der Hausmüll aus dem Landkreis Trier-Saarburg abgelagert. Bei einer der mittels modernster Technik regelmäßig durchgeführten Überprüfung stellte sich heraus, dass eine Sicherstellung des Umweltschutzes nicht mehr dauerhaft und vollumfänglich gewährleistet werden kann.  

Der Zahn der Zeit nagt

Was ist geschehen? Beim Errichten der Deponie vor rund 60 Jahren wurde der in der Talsohle verlaufende Klingenbach in ein Rohrsystem geleitet, das eine Kontamination des Wassers durch den darauf aufgebauten Müllberg verhindern sollte. Allerdings wurde festgestellt, dass diese Rohre im Laufe der Zeit teilweise beschädigt worden sind, so dass eine zukünftige Verunreinigung des Baches durch Sickerwässer der Deponie theoretisch nicht mehr ausgeschlossen werden konnte. Auch die Beschaffenheit des umgebenden Gesteinsmaterials stellte sich als problematisch heraus. Das bei den Winzern sehr beliebte, klüftige Schiefergestein, welches in Saarburg weitestgehend horizontal ansteht, leitet Regen- und Oberflächenwasser seitlich in die Deponie. Ein einfacher Deckel, in Form einer Deponieabdichtung, hätte also nicht zu einer Verbesserung der Situation beigetragen. Der A.R.T. sah sich daher in der Pflicht, eine für diese veränderte Ausgangslage nachhaltige Lösung zu suchen und diese auch zu finden. Neben einer Sanierung vor Ort wurde alternativ auch die Möglichkeit der Umlagerung auf eine moderne Deponie untersucht und technisch sowie wirtschaftlich bewertet.  

Millionen für den Naturschutz: Eine Deponie zieht um 

Der A.R.T. suchte dabei stets nach einer Lösung, die für alle Beteiligten eine nachhaltige, aber auch wirtschaftlich verträgliche Behebung des Problems verspricht. Im Fall von Saarburg heißt die mit den Gremien und Behörden diskutierte und beschlossene Lösung: Der Berg zieht um! „Wir nehmen hier mehrere Millionen Euro in die Hand, um die Deponie umziehen zu lassen und damit die Natur in Saarburg zu schützen. Warum wir keine Sanierung vor Ort angestrebt haben? Ich vergleiche das Projekt gerne mit einem alten Weinfass, welches undicht ist“, so Verbandsdirektor Dr. Monzel. „Man sollte nicht die Dauben austauschen, wenn der Boden undicht ist, denn trotz des großen Aufwands ist das Problem dann immer noch nicht behoben. Die Erfolgsaussichten einer Sanierung der Deponie vor Ort sind einfach zu kritisch, sodass wir uns für eine durchaus unübliche, aber definitiv nachhaltige Lösung entschieden haben.“ Diese sieht vor, dass das gesamte Deponiematerial sowie jeglicher verunreinigter Boden vollständig abgetragen und in einer nach modernstem Stand der Technik abgedichteten Deponie im Entsorgungs- und Verwertungszentrum (EVZ) Mertesdorf eingebaut wird.

Es ist geplant, bis Ende 2022 ca. 220.000 m³ Altabfall und ca. 80.000 m³ Abdeckboden zur Deponie in Mertesdorf zu transportieren. „Die Vorbereitungen für den Abtransport laufen auf Hochtouren“, so Sebastian Lorig, Bereichsleiter Technik, der davon ausgeht, dass der erste mit Abfall beladene LKW aus Saarburg bereits in den kommenden Wochen in Richtung Mertesdorf rollen wird. Vor dem Einbau in Mertesdorf wird der Abfall jedoch komplett sortiert. Dies ermöglicht es, recycelbare Materialien in den Stoffkreislauf zurückzuführen und brennbare Materialien zur Energieerzeugung zu nutzen.

Die Finanzierung dieses Großprojektes erfolgt aus über viele Jahre aufgebauten Rückstellungen des „alten A.R.T.“, dem seinerzeit der Landkreis Trier-Saarburg und die Stadt Trier angehörten.

Ein vergleichbares Projekt dieser Größenordnung war die Sanierung der Deponie in Aach bei Trier; diese Sanierung konnte „in situ“ vor Ort mit Erfolg bereits abgeschlossen werden.  

Zurück zur Natur  

Sobald das Tal von Abdeckböden und Abfällen geräumt ist, soll der Untergrund rekultiviert und das Tal weitestgehend in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. Die natürliche Form des ehemaligen Kerbtals soll wiederhergestellt werden, in dem der ursprüngliche Klingenbach offen in einem Pflanzensaum verläuft. Anschließend ist es durchaus denkbar, dass das Tal in das Wanderwegenetz und damit der Naherholung der Bürger eingebunden wird. Der A.R.T. steht hier mit der Stadt und der Verbandsgemeinde Saarburg in engem Dialog, wie die Folgenutzung aussehen wird.